Yoga
Die Praxis
"Ein Gramm Praxis ist Tonnen Theorie wert"
Altes Yoga-Sprichwort
Täglich, während des Seminars, wird Schritt für Schritt durch die
unterschiedlichen Übungen geführt. Dieser Prozess bringt uns auf
natürliche Weise Vertiefung und Einsicht. Dies wird untermauert durch
die traditionellen Lehren von Yoga und Meditation.
Die Theorie
Yoga ist Praxis. Allerdings kann keine Praxis ohne das richtige
Verständnis ausgeführt werden. Daher werden speziell in den ersten Tagen
des Seminars genaue Erklärungen gegeben, wie Yoga und Meditation geübt
werden sollten, um den richtigen Erfolg zu erzielen.
Der Focus wird hauptsächlich auf folgenden Übungen liegen:
Asanas: Vitalisierung durch unterschiedliche Körperhaltungen
Pranayama:
Methoden, um den Atem auszubalancieren
Meditationen (Geh-Meditation, Musik-Meditation,
Chakren-Meditation): Ein Prozess, der zum Ziel hat, tiefe Einsicht in
unsere innere Welt zu ermöglichen, unser Bewusstsein zu erweitern, ein
besseres Verständnis zu erlangen und zu lernen Dinge zu sehen, wie sie
wirklich sind. Alle spirituellen Traditionen kennen Methoden der
Meditation.
Surya Namaskara (Der
Sonnengruß):
Basiert auf 12 dynamischen Bewegungsabläufen, synchronisiert mit dem
Atem, wodurch wir in Harmonie mit der Sonne kommen. Die Sonne ist die
Quelle allen Lebens. Mit Hilfe dieser Übung ist es möglich, unsere
Gesundheit und unser Wohlbefinden zu steigern.
Shatkarmas: Reinigungstechniken um die Wirkung des Yoga zu
steigern. Die Reinheit des Körpers und des Geistes ist sehr wichtig.
Theoretisch gibt es im Yoga unterschiedliche Systeme. Das Programm des
Seminars enthält Elemente der folgenden Systeme:
Hatha Yoga balanciert die
Lebensenergie, sowie gleicht die Polarität unseres Seins mit Hilfe von
asanas (Körperhaltungen) und pranayama (Atemregulation) aus. Die
Energiekanäle (Nadis) werden gereinigt, sodass die Lebensenergie (Prana)
frei fließen kann.
Kriya Yoga ist eine Form des Hatha
Yoga. Hier werden Asanas, Pranayama und Achtsamkeit auf die Chakren in
einer Praxis zusammengefasst.
Nidra Yoga ist Tiefenentspannung,
Meditation im liegen. Die Fähigkeit der Beobachtung unseres Selbst
steigern.
Tantra Yoga sieht den Menschen als
verkleinerte Kopie des Universums. Durch diese Sichtweise wurden über
Jahrhunderte viele geschickte Hilfsmittel zur Förderung der
Selbst-Beobachtung entwickelt. Während die älteren Formen des Yoga
hauptsächlich auf Reinheit und geistiges Bewusstsein Wert legen, betont
Tantra-Yoga auch die Kontrolle von Energien und Emotionen. Für die
Praxis bedeutet das, mit den 7 Chakras ( Kraftzentren) zu arbeiten, sie
zu öffnen und zu aktivieren.
Raja Yoga ist Meditation durch die
Konzentration des Geistes.
Jnana Yoga entwickelt direkte
Einblicke in die Sichtweise, wie die Dinge wirklich sind, um bewusster
für das Leben an sich zu werden. Sobald der Geist ruhiger wird, sind wir
in der Lage, Dinge klarer zu sehen, wodurch die Schwierigkeiten des
Lebens beginnen, sich zu verringern.
Karma Yoga bedeutet, ohne
Erwartungen zu leben. Meistens handeln wir, weil wir etwas in der
Zukunft erwarten. Die Früchte der Zukunft loszulassen und das Jetzt in
unseren primären Focus zu bringen, das ist Karma Yoga.
Bakti Yoga überwindet das Ego.
Sich davon zu befreien, uns vom Leben und anderen Menschen getrennt zu
fühlen, öffnet das Herz und das Leben füllt sich mit Akzeptanz und
Freude.
Einführung in Pranayama
Prana: Lebensenergie Yama: Beherrschung
Pranayama: Atemführung / Beherrschung der Lebensenergie
Die Wissenschaft des Hatha Yoga hat die Wechselwirkungen zwischen Atem
und dem körperlichen, geistigen und seelischen Befinden des Menschen
über lange Zeit untersucht und hat Techniken entwickelt, die diese
Wechselbeziehung direkt nutzen - die Pranayamas.
Der Begriff Pranayama wird oft als Atemübung übersetzt. Treffender wäre
es, von Pranayama als einer spezifischen Energieübung zu sprechen - eine
Energieübung, die sich der Atmung als Werkzeug bedient. Während die
Atem¬übung sich auf das Trainieren der Atembewegung und das Stärken des
Atemsystems konzentriert (und damit eine notwendige Grundlage für
Pranayama bildet), ist das Ziel des Pranayama die Veränderung unserer
pranischen (energetischen) Struktur. Das Ziel der Pranayama-Übungen ist
es, unseren Astralkörper (die Energiebahnen und Energiezentren) zu
reinigen und die Energiequalitäten Ida und Pingala zu balancieren.
Kontrolle über das Prana
Die Menge und Bewegung des Prana in uns und um uns bestimmt unser Leben.
Unser Denken, unser Fühlen, die Weise, wie wir uns selbst und die Welt
um uns wahrnehmen, ist eine Wirkung des Prana. Prana ist die Ursache,
unser Denken und Fühlen ist die Wirkung. Yoga sagt, dass wir unser Prana
verändern können. Und wenn wir unser Prana verändern können, so können
wir auch unsere Welt verändern!
Oft fühlen wir uns als Opfer, das zumeist in die Defensive gedrängt
wird, und öfter reagiert als agiert. Man fühlt sich als Spielball der
Gewalten, ohne sich bewusst zu werden, dass für diese Situation nicht
nur die uns lenkenden und manipulierenden äußeren Kräfte verantwortlich
sind, sondern auch unser Unvermögen (oder mangelnde innere Kraft),
Initiative zu ergreifen und Verantwortung zu übernehmen.
Und nicht nur äußerer Art sind die uns manipulierenden Kräfte, meist
reagieren wir automatisiert und werden zum Opfer unserer Süchte und
Gelüste, fühlen uns beleidigt, werden wegen Kleinigkeiten wütend - und
auf all diese Regungen scheinen wir keinen Einfluss zu haben.
Es ist, als hätten unsere Gedanken und Gefühle ein Eigenleben, das sich
unserer Kontrolle entzieht. Die Triebe und Gelüste, die Ängste,
Aggressionen und Vorurteile scheinen stärker zu sein als wir. Wäre es
nicht wünschenswert, dass WIR stärker werden als diese Elemente?
In diesem Sinne, nämlich die innere Kraft zu wecken, sein eigenes Leben
in die Hand zu nehmen und damit auch die Verantwortung für das eigene
Wohlergehen und die persönliche Entwicklung zu übernehmen, hilft das
Stärken, Kontrollieren und Ausrichten der Prana-Bewegung durch
Pranayama.
Die Kontrolle über diese geheimnisvolle, alles durchdringende Essenz
PRANA vermag unser gesamtes Leben zum Positiven zu verändern:
- die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu. Man vermag klar, scharf und
konzentriert zu denken
- die Abhängigkeit von äußeren Faktoren nimmt ab - man ist nicht mehr
Spielball des Wetters, der Gestirne und der Launen anderer Menschen.
- die Willenskraft nimmt zu. Ausdauer und innere Stärke werden deutlich
erhöht.
- die innere Haltung wird ausgeglichener - man fühlt sich mehr im
Gleichgewicht und steht mehr „über den Dingen“. Die Lebensqualität
erhöht sich beträchtlich.
- das erhöhte Energieniveau bewirkt auf der physischen Ebene deutlich
verbesserte Gesundheit, da alle Organe mehr Prana erhalten, und auf der
geistigen / psychischen Ebene ein stabiles Selbstbewusstsein und innere
Kraft.
Es ist eine Frage der Energie und des kontrollierten und bewussten
Einsetzens der Energie. Das Mittel, das Instrument, um dies zu
bewerkstelligen, ist Pranayama.
Bedeutung des Pranayama
Die Bewegung des Geistes ist das Abbild der Bewegung des Prana. Bitte
lies diesen Satz ein zweites Mal - er ist der Schlüssel zum Verständnis
des Hatha Yoga: Die Bewegung des Geistes ist das Abbild der Bewegung des
Prana.
Der Geist ist eine Manifestation des Prana. Gelingt es dir, Prana zu
verändern, so hast du deinen Geist und damit dein gesamtes Leben in der
Hand. Hatha Yoga, von dem wir hier die Grundlagen diskutieren, und
insbesondere die Hatha-Yoga-Technik des Pranayama besteht aus
hochwirksamen Übungen zur Veränderung und Reinigung unserer gesamten
Prana-Struktur. Darin liegt die außergewöhnliche Wirksamkeit des Hatha
Yoga!
Pranayama bewirkt einerseits eine Vermehrung des Prana, was zu einer
Stärkung von Geist und Körper führt, andererseits verbessert Pranayama
den freien Fluss der Energie und hilft, Blockaden zu beseitigen. Beide
Aspekte haben deutlich spürbare positive Auswirkungen auf unser gesamtes
Befinden.
Schließlich wirkt Pranayama auf die Balancierung und Harmonisierung
subtilerer Aspekte unseres Geistes. So entsteht als Ergebnis
ausdauernder Pranayama-Übung ein sich ständig vertiefender innerer
Frieden, ein Gefühl des Ganzseins, des In-Seiner-Mitte-Ruhens.
Wenden wir uns nach diesen philosophischen Erörterungen nun den
praktischen Aspekten der Atmung und des Pranayama zu:
Die drei Phasen im Pranayama
Grundsätzlich lassen sich in der Pranayama-Übung drei Phasen der
Atembewegung unterscheiden:
1. Die Einatmung
Diese Phase ist in den meisten Fällen die kürzeste. Sie soll dennoch
leise, dünn und subtil erfolgen - achte dabei auf die oben beschriebene
volle Yoga-Atmung!
Im Normalfall wird die Lunge so weit wie angenehm möglich gefüllt, also
etwa bis zu 90 % des maximal Möglichen; Anfänger füllen die Lungen bei
den leichteren Vorübungen nur bis zu etwa 70 - 80%.
2. Das Luftanhalten
Die Phase des Luftanhaltens nach dem Einatmen ist meistens die längste
und wichtigste der drei Phasen. Sie soll jedoch nicht länger gehalten
werden als ein müheloses Fortsetzen des vorgeschriebenen Rhythmus es
erlaubt. Ein nur allmähliches Steigern der Anhaltedauer von bescheidenen
Anfängen ist von großer Bedeutung! Niemals soll die Luft so lange
angehalten werden, dass die Ausatmung laut und schnaufend wird!
3. Die Ausatmung
Die Ausatmung erfolgt sehr langsam und leise; sie ist zumeist länger als
die Einatmung (was beruhigende Wirkung auf das Nervensystem ausübt).
Um eine folgende tiefe Einatmung zu ermöglichen, sollte die Ausatmung am
Ende bis zu einem gewissen Grade forciert werden, die Bauchdecke wird
also leicht zusammengezogen, um mehr Luft als es normal der Fall wäre,
auszuatmen. Dies sollte jedoch erst nach einigen Wochen oder Monaten des
Übens einsetzen, wenn man sich an die Grundbewegungen des Pranayama
gewöhnt hat.
Achte auch hier auf die korrekte Atemmechanik (Volle Yoga-Atmung).
Diese drei Phasen werden in der beschriebenen Form erst nach dem durch
die Vorübungen absolvierten Vorbereiten des Atemsystems für die
eigentlichen Pranayamas relevant.
Die Bedeutung des Luftanhaltens (Kumbhaka)
Anfänger üben noch ohne Luftanhalten, doch bei fortgeschrittenem Üben
wird die Phase des Luftanhaltens zum zentralen Element des Pranayama.
Kumbhaka hat auf allen Ebenen des Menschen große Bedeutung:
Physische Ebene
Während der Anhaltephase steigt durch die fortgesetzte Zellatmung der
Kohlendioxidgehalt im Blut, was eine vermehrte Bindung von Sauerstoff an
die roten Blutkörperchen, bewirkt. Das Blut wird also während der Übung
mehr mit Sauerstoff angereichert als sonst. Während des Luftanhaltens
läuft der gesamte Gasaustausch im Körper - sowohl in den Lungen als auch
im Zellgewebe selbst - effizienter ab. Nach einiger Übung kann der
Praktizierende das daraus resultierende Gefühl vermehrter Frische und
Energie im Körper sehr deutlich wahrnehmen.
Durch diese Verbesserung des Stoffwechsels wird auch die Entschlackung
des Körpers gefördert, Abfallstoffe effektiver ausgeschieden und die
Zellregenerierung verbessert.
Energetische Ebene
In der Zeit, in der der Atem still steht, wird, analog zur physischen
Ebene, die Assimilation des Prana aus dem Sauerstoff verbessert, was zu
einer Vitalisierung des Prana-Körpers führt. Bei zutiefst konzentriertem
und hingebungsvollem Pranayama entsteht eine Sensibilisierung, die uns
das Lebendigsein jeder einzelnen Zelle erfahren lässt.
Ähnlich wie Asanas auf der körperlichen und Meditation auf der geistigen
Ebene eine Ruhigstellung bewirken, so wird auf der energetischen Ebene
bei Pranayama durch die Phase des Luftanhaltens ein Innehalten erzeugt,
das den Übenden zunehmend zu seiner Mitte finden lässt.
Geistige Ebene
Bedenkt man, dass unser Leben vom ersten Augenblick an im Zeichen einer
ununterbrochenen Bewegung, nämlich der Atmung, steht, eine Bewegung, die
eng mit der Aktivität des Geistes zusammenhängt, so kann man sich
vielleicht vorstellen, wie sich ein regelmäßig geübtes Unterbrechen
dieser Bewegung auf unser gesamtes Wesen auswirkt.
Die Anzahl der im Zentralen Nervensystem einlangenden Nervenimpulse wird
durch das Verlangsamen der Atmung und insbesondere während des
Luftanhaltens stark reduziert. Dies bewirkt eine Beruhigung der gesamten
geistigen Tätigkeit: Ausmaß und Intensität der einander sonst jagenden
Gedanken, Eindrücke und Gefühle werden allmählich reduziert und weichen
einer zunehmenden inneren Ruhe und Ausgeglichenheit.
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